Meine 5D Classic

canon-eos-5d-vorderseite.jpgDie Canon EOS 5D gilt als Klassiker und wird im Netz auch häufig als „5D Classic“ oder „the Queen“ betitelt. Da ich einfach auf zeitlose Klassiker stehe, musste ich diese Kamera haben. Außerdem gibt es im Netz bereits einige Artikel, in denen diese Kamera himmel-hoch gelobt wird. Doch ist das wirklich so? In diesem Artikel zeige ich euch meinen Blick auf die 5D.

Zum Jahresbeginn habe ich meinen Kamera-Fuhrpark um ein weiteres Modell vergrößert. Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich diese Kamera wirklich brauche. Am Ende hat allerdings die Vernunft nachgegeben und Gier gesiegt – wie so oft, wenn es um Kameras geht :-). Nein, aber Spaß beiseite. Die Kamera hat eine ganz bestimmte Aufgabe: sie ist die „Zerstörbare“ in der Sammlung. Für unterwegs wollte ich gern eine Vollformatkamera haben, die stabil ist und Kratzer abbekommen darf, auch ohne mir mentale Schmerzen zu bereiten. Zudem sollte der Akku lange halten und die Bildqualität stimmen. Eine gebrauchte 5D schien ideal für diesen Job.

Der erste Eindruck

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Als die 5D dann ankam, war ich beeindruckt wie gut sie erhalten war. Keine Kratzer auf den Displays und nur minimale Streifspuren auf dem Gehäuse. Selbst am Boden der Kamera war so gut wie nichts zusehen. Leider ist es bei der 5D für mich nicht möglich die Anzahl der Auslösungen zu ermitteln. Also muss ich mir einbilden, dass sie in ihrem Leben wahrscheinlich nur 10 Auslösungen im Werk durchlaufen hat 😉

Überrascht war ich beim ersten Blick durch den Sucher. In meiner 5D wurde bereits die Mattscheibe ausgetauscht. Statt der normalen, habe ich eine EE-D Mattscheibe mit 6×4 Gitter. Das kannte ich von meinen Kameras mit optischen Sucher noch gar nicht, hat mir aber sofort gefallen.

5d-sucher

In einigen Beträgen hatte ich bereits gelesen, dass die Haptik der 5D so gut sein soll. Bisher war ich skeptisch, denn die 6D und die 70D liegen ja bereits gut in der Hand. Doch die 5D ist dann doch nochmal eine andere Liga. Durch ihren etwas größeren Body greift sich die Kamera einfach perfekt. Dazu kommt, das sämtliche Schalter und Dreiräder wesentlich straffer sind und die Knöpfe einen besseren Druckpunkt haben, als bei meinen anderen Canons. Kurz um: Tasten drücken auf der 5D macht Spaß 😊

Die Bedienung der 5D ist absolut Canon-typisch, sodass ich mich gleich heimisch fühlte. Alle Knöpfe sind ungefähr da wo ich sie erwarte. Allerdings ist das Menü um einiges spartanischer, als ich es von der 6D gewohnt bin. Zudem ist der Aufbau etwas anders als in aktuellen Modell und man ist innerhalb von wenigen Minuten alle Einstellungen durchgegangen.

Die ersten Sessions

Seit ca. 1,5 Jahren verwende ich meine Kameras nur noch im M-Modus. Das heißt ich stelle meine Verschlusszeit und die Blende manuell ein. In vielen Situation verpasse ich dem ISO dann aber die Automatik, um in hektischen Situationen auch brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Mit der 5D musste ich mich umgewöhnen. Eine ISO-Automatik gibt es hier nicht. Bis aufs Fokusieren ist im M-Modus alles Handarbeit. Challenge accepted: Schnell das Canon 50mm f1.8 STM aufgesteckt und los geht‘s.

 

Das allererste was mir auffiel, war das Fokusleuchten. Normalerweise wird der Fokuspunkt im Sucher beim fokussieren rot beleuchtet. Hier war nichts. Später habe ich gesehen, dass das Leuchten schwach neben dem Punkt ist. Glücklicherweise fokussiert die Kamera aber auf den markierten Fokuspunkt und nicht aufs „leuchten“. Insgesamt aber etwas ärgerlich. Möglicherweise könnte das was mit der gewechselten Mattscheibe zutun haben?!

Die nächste Eigenheit der 5D ist die Belichtungsmessung. Häufig hat die Kamera gemeint, dass ich um 1 bis 1,5 Stufen unterbelichten würde. Meine Erwartung zu dunkle Bilder zu bekommen hat sich nicht bestätigt. Die Ergebnisse waren eigentlich ziemlich gut belichtet. In höheren ISO-Stufen, also so ab 1000 wird’s dann aber in der Dunkelheit kritisch. Die Kamera ist für meinen Eindruck eher für gutes Wetter, goldene und blaue Stunde geeignet. Der Weißabgleich war dauerhaft auf Automatik und hat mich nie enttäuscht. Da die Auflösung der Kamera relativ gering ist, können alle Bilder ohne weiteres in RAW aufgenommen werden, da die Dateigröße meist nur zwischen 10 und 14 MB liegt. Dadurch kann dann eine nicht ganz gelungene Belichtung in der Nachbearbeitung noch gerettet werden.

Nachfolgend sind mal ein paar Dämmerungsfotos mit dem Canon 85mm USM dargestellt. Das erste Bild jeder Reihe ist immer die RAW-Version. Jedes zweite zeigt das Ergebnis nach der Korrektur der RAW-Einstellung und das letzte ist dann vollständig nachbearbeitet.

 

 

 

Alle Bilder habe ich bequem über mein iPad in Snapseed entwickelt.

Die Höhen und Tiefen

Wer sich schon mal mit Artikeln zur 5D beschäftigt hat, weiß dass das Display der Kamera häufig bemängelt wird. Diesen Eindruck kann ich allerdings nicht vollständig teilen. Sicher ist es nicht groß und hat keine besondere Auflösung, aber eigentlich reicht es völlig für die Bildkontrolle. Viel mehr vermisse ich die Funktion des 100%-Zooms. In neueren Modell kann der Zoom-Knopf in der Bildrückschau so eingestellt werden, dass mit einem Druck eine 100%-Ansicht erscheint. Das ist perfekt, um die Schärfe eines Bildes im Handumdrehen zu prüfen. Leider hat es Canon noch nicht geschafft diese Funktion in die 70D zubekommen.

Die fehlenden Scene-Programme und den sonstigen Schnick-Schnack habe ich nicht vermisst. Im Gegenteil durch die fehlende ISO-Automatik habe ich andere Dinge ausprobiert und neue Wege gefunden. So habe ich beispielsweise für ein paar Versuche in der Street-Photografie den Tv-Modus verwendet. Eine feste Verschlusszeit von 1/250 und ein ISO von Pi*Daumen. Die Kamera hat den Rest selbst erledigt und die Bilder waren zufriedenstellend… oder sagen wir die Belichtung war top nur meine Street-Fähigkeiten nicht 🙂

Nachfolgend ein paar Beispiele. Diese Bilder sind Out-of-Camera und wurden mit einem eigenem S/W-Profil in der Kamera geschossen. Das war ich der Straße schuldig 🙂

 

Eine weitere Erkenntnis beim Ausprobieren der 5D war die Schärfe der Bilder. Besser gesagt die Unschärfe. Die meisten meiner ersten Bilder waren auf dem Display noch ganz ok, aber beim Reinzoomen irgendwie unscharf. Trotz ausreichend schnellem Verschluss und angemessenem ISO waren die Bilder irgendwie murks. Nachdem ich etwas recherchiert hatte und das Problem an der Kamera finden wollte, stellte sich ein grundlegender Fehler meinerseits heraus. Für die Abstände zum Motiv habe ich viel zu offenblendig (f1.8 bis f2.8) fotografiert. In der diese Tabelle hier kann man die Schärfebereiche für Kamera und Objektiv errechnen lassen. Das traurige an der Geschichte: dass habe ich bisher immer so gemacht. Erst durch das kleine Display und die geringe Auflösung der 5D konnte ich das Unschärfe-Problem nicht mehr durch Bilderverkleinerung kompensieren.

Mein Fazit

Jeder der sich heute eine 5D Mk1 kauft, weiß dass er sich eine alte Kamera mit Schwächen ins Haus holt. Die Kamera hat heute (2019) bereits 14 Jahr auf dem Buckel und darf eigentlich nicht mit aktuellen Kameras verglichen werden. Und dennoch gibt es unzählige Review aus der heutigen Zeit zu genau dieser Kamera. Warum?

Ich denke, es liegt in der Art der Kamera. Sie ist ein Stück Zeitgeschichte in der Canon hochwertige Digitalfotografie im Vollformat den professionellen Fotografen zugänglich gemacht hat. Daher ist die Kamera robust, zuverlässig und hat eine tolle Bildqualität, selbst heute noch. Durch die gesunkenen Preise können sich nun aber auch Einsteiger und Verrückte wie ich, so eine Kamera kaufen. Man erhält also für knapp über 300€ eine Vollformatkamera, die vor 14 Jahren nur Profis für viel Geld um den Hals trugen. Na ja und das beste daran, diese Kamera ist heute noch so viel besser als eine aktuelle Canon 2000D. Zusammen mit einem 50mm f1.8 entstehen fast von allein tolle Fotos.

Ich wünschte mir, ich hätte damals vor 11 Jahren, als ich meine erste DSLR – eine Canon 1000D – kaufte, dieses Wissen und diese Möglichkeit von heute gehabt. Statt mir eine neue Einsteigerkamera mit blödem Kit-Objektiv zukaufen, hätte ich einfach eine gute Gebrauchte mit einem günstigen offenblendigen Objektiv nehmen sollen.

Wer also auf Live-View, Klappdisplay, Wifi, NFC, … verzichten kann wird mit dieser Kamera Spaß haben. Wer glaubt, dass diese Kamera bessere Fotos macht als neuere Vollformatkameras, den muss ich leider enttäuschen. Trotz aller Nostalgie sind die neuen Sensor einfach leistungsstärker, vor allem in höheren ISO-Bereichen. Sicher können irgendwelche Labor-Testberichte im Netz fundiert belegen, aber mir reicht der einfache subjektive Vergleich der 5D und 6D. Dennoch ist die 5D in punkto Bildqualität sehr gut gealtert. Die Qualität und Auflösung der Bilder sind für mich völlig ausreichend. Dazu hält der Akku mehrere Sessions durch. Einfach gesagt macht mir das fotografieren mit der 5D einfach Spaß, ob nun trotz oder gerade wegen der Limitation kann ich nicht sagen. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur am einzigartigen Geräuschs des Verschluss.

 

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